Dienstag, 17. Juni 2008

Etwas tun...

[Fehlentscheidungen führen zu verzweifelten Maßnahmen, eine Idee wird geboren]

... Es musste natürlich genau so kommen.
Der Tag kam und brachte keine erhoffte Hilfe.
Jetzt musste sich Bernhard etwas überlegen.
Die Nacht hindurch hatten sie das Feuer brennen
lassen, nur auf ein Gefühl seinerseits hin, und
jetzt war immer noch keine Hilfe in Sicht.

Dass das Holz langsam knapp wurde, war ihm
natürlich klar. Sie hatten gestern bereits begonnen
auch Möbel und Papier zu verbrennen. Das Papier
in der Nacht, die Fetzen am Tag. Am Tag konnte
man schwarzen Rauch wesentlich besser und
weiter sehen als weißen. In der Nacht
war es natürlich umgekehrt.

Leider war es eine unbestreitbare Tatsache, dass
ihnen das Heizholz langsam ausging. Die Gasheizung
funktionierte nun schon seit 2 Wochen nicht mehr und
der Kachelofen verbrauchte viel Holz, wenn er genug
Wärme zum Kochen, Waschen und zum Heizen
produzieren musste.

Inzwischen lebten vierzehn Menschen in dem Haus
und alle waren sie Bernhards Anleitung gefolgt.
Bisher.
Gestern früh kam es beinahe zur Eskalation, als sein
eigener Sohn in fragte, wie es nun weitergehen sollte,
nachdem sie sich ausgerechnet hatten, dass sie nur
noch für zwei Wochen Proviant hatten.

Da musste Bernhard einfach einen Ausfall nach vorne machen,
was hätte er sonst tun können?
Kurze Zeit später hatte er Wache gehabt und da kam ihm die
Erkenntnis, dass es einfach bald zur offenen Rebellion gegen ihn
kommen würde, sollte er nicht bald Ergebnisse liefern.
Also erzählte er ihnen von dem Helikopter.

Er konnte sich nicht mehr an die genauen Worte erinnern, aber
sie waren so fantastisch, dass er sich sicher war, dass ihm niemand
glauben würde, vor allem nicht, nachdem ihn sonst keiner gesehen hatte.
Aber zu einem gewissen Teil, war Bernhard immer noch der
Anführer dieser kleinen Überlebendentruppe und somit war
noch etwas Glaubhaftigkeit für das Funktionieren dieser
Lüge übrig.

Natürlich war es eine Notlüge gewesen. Ansonsten hätte man
ihn von diesem Anführerposten vertrieben und ein anderer hätte
die Führung übernommen. Dieser wäre warscheinlich so weit
gegangen, die Truppe aus dem Haus heraus zu bringen. Mitten in
die Gefahrenzone.

So etwas konnte er nicht zulassen, sie waren hier sicher und
sie würden es bleiben, aber die Leute brauchten natürlich etwas zu
tun. Den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch das Feuer zu heizen,
war natürlich eine gute Möglichkeit die Überlebenden zu beschäftigen,
jedoch war es auch eine sehr verschwenderische Möglichkeit und
die Holzvorräte schwanden und schwanden dahin und
es kam keine Verstärkung.

Keine Hubschrauber, keine Panzer, keine Flugzeuge
und keine Jeeps. Keine Soldaten, kein gar nichts.
Sie hatten auch keine Funksprüche mehr abgefangen seit
der letzte Jeep vor vier Tagen an ihnen vorbei in ein
Nachbarhaus gerast und dort mitsammt dem Haus abgebrannt
war. Jetzt befand sich Bernhard in einer schlechteren Position
als noch gestern.

Jetzt musste er erklären, warum keine Verstärkung kommen
würde. Warum niemand kommen würde um ihnen zu helfen und
sie hier aus dieser Hölle zu befreien.
Die Wahrheit wäre einfach gewesen.

Aber Bernhard war zu feige für die Wahrheit, er war kein
wahrer Held, nicht einmal ein ganzer Mann. Er war eine kleine
Ratte, die einfach das Glück hatte in letzter Zeit ein paar passende
Vorahnungen bezüglich des Wetters und Verseuchungsgrades
gehabt zu haben. Das machte aus ihm weder einen Führer noch
einen Mann.

Also doch eine weiter Lüge.
Vernunft war nun völlig egal, denn natürlich wäre es wesentlich klüger
gewesen, niemandem die Lügengeschichte von dem Militärhubschrauber
aufzutischen und so eine riesige Menge Holz zu verschwenden.
Aber Vernunft war noch nie eine von Bernhards Stärken gewesen.

Tägliche Ansprache.
Erklärungsnotstand.
Was tun?

Er sah sich etwas verloren um, dann nahm er sein Gewehr.
Eine weiter Lüge. Sie mussten sowieso von hier weg.
Und es war nun egal ob er oder ein andere sich dafür entschied.
Mit dem einen Unterschied: Er würde noch Anführer sein,
wenn er sich so entschied. Andernfalls nicht mehr.

"Meine Freunde." sagte er und beging damit schon die erste Lüge,
pha Freunde... denkt er sich.
"Der Helikopter, der gestern von der Wache gesehen wurde..."
-immer bescheiden bleiben. Nicht sagen dass DU ihn gesehen hast.
"...ist offenbar auf einem nahen Landeplatz im Norden niedergegangen."
-Es gibt tatsächlich einen Hubschrauberlandeplatz dort.
"Außerdem glauben wir..."
-Blödscheiß, du alleine glaubst.
"... dass dort auch die Militärtruppen gelandet sind. Leider ist
der Platz zu weit entfernt, als dass wir einfach nur auf
die Rettung warten können."
-Oi, schön gesagt.
"Deshalb müssen wir ihnen entgegengehen."
-Oh ja!

Vereinzeltes Raunen in der Menge ließen ihm keinen
Zweifel, man war schon hart an seiner Glaubhaftigkeitsgrenze
angelangt. Er durfte ihre Geduld nicht länger ausreizen.
Er erklärte ihnen den Plan. Sie hatten zwei Tage Zeit
sich auf den Aufbruch vorzubereiten. Während dieser zwei
Tage würden sie die Feuer weiter heizen um
damit den Soldaten (die nicht existierten) ein Zeichen zu
geben, dass noch jemand am Leben war.

Auf dem Weg nach Norden, würden sie jede Nacht ebenfalls
rießige Feuer entzünden, damit man sah, dass sich die Überlebenden
näherten. Schlafen würden sie in den ersten Stöcken von
Wohnhäusern, damit sie die Treppenaufgänge leichter bewachen konnten.
Sie würden es schon schaffen.

Er löste zwar keine Begeisterungsstürme aus, aber die
Überlebenden waren doch froh, dass sich zumindest ETWAS tat.
....
Fortsetzung folgt...

Keine Kommentare: