Montag, 27. Oktober 2008

All hallows eve

Pater Daniel mochte vielleicht alt sein, aber er
selbst fand seine Methoden, den katholisch Glauben
zu übermitteln sehr modern. Er mochte die
rythimischen Gottesdienste und die neuen Kirchenlieder
von denen viele seiner Altersgenossen im Kloster sagten,
dass der Teufel selbst sie geschrieben habe um sich
in die Kirche einzuschmeicheln.

Doch besonders die Jugend oder Jungscharmessen
sagten ihm besonders zu. Er war schon in seinen jungen
Jahren immer sehr aufgeschlossen gegenüber neuartiger
Methoden zur Glaubensvermittlung gewesen und war damit
mehr als einmal im Kloster negativ aufgefallen.

Dennoch war er stolz darauf einen so guten Draht
zu den jungen Christen zu haben und er führte seine
Ministranten mit viel Freude an der Arbeit.

Der Gottesdienst an jenem Tag war wieder einer
dieser besonderen Momente gewesen, in denen man
fast spüren konnte, wie sich der heilige Geist auf
die Gläubigen herabsenkte um ihnen seinen Segen zu geben.
Eine Abendmesse war immer schon mehr gewesen, als
ein einfaches Besinnen, fand Daniel. Besonders im Winter,
wenn es draußen schon dunkel wurde und nur die Kerzen
und geschickt platzierten Scheinwerfer in der Barockkirche
für Licht sorgten, dann erzeugten sie eine Stimmung, die
wohl jeden an die Existenz Gottes glauben ließ.

Nach solchen Gottesdiensten fragte Pater Daniel den Mesner
gerne, ob er ihm nicht seine Arbeit abnehmen könne. Der
alte Mann war ihm immer dankbar dafür, entschuldigte sich
dennoch mehrmals und erklärte ihm, dass er einfach nicht
mehr so gut könne wie früher und dass er an so kalten Tagen
immer wieder seine Kriegsverletzung im Bein spüre und
desswegen so humple.
Daniel versicherte ihm, dass er es sogar begrüße, wenn der
Mesner sich nicht zu sehr verausgabte und zitierte eine
Bibelstelle die den Fleiß zwar lobte, die Mäßigung jedoch
als Maß aller Dinge pries.

Der alte Mann grinste ihn dankbar an und übergab ihm den
Schlüssel. Pater Daniel sah ihm nach, bis er in der Dunkelheit
verschwunden war und ging dann zurück in die leere Kirche.
Er wusch den Messkelch aus und legte die schwere in leder
gebundene Bibel zurück in den Bücherschrank. Er betrat den
Hauptflügel der Kirche und atmete tief durch. Dann ging er zum
Tabernakel und stellte die Hostien zurück an ihren Platz.

Er trat an den Altar, legte beide Hände darauf und sah in
die leeren Bankreihen. Der allgegenwärtige Geruch von
Weihrauch ließ ihn sich an die großen, pompösen Ostergottesdienste
von früher denken. Etwa im Alter von 20, als er erst richtig
bewusst zur Kirche gegangen war und diese mystischen Augenblicke
mit den kritischen Augen eines jungen Mannes begutachtet hatte
um dann zu entscheiden, dass dies seine Welt war.

Dies war jetzt schon über 40 Jahre her und es hatte
sich vieles geändert. Aus dem jungen Novizen war ein alter
Priester geworden, der sich immer öfter dabei ertappte, wie
er in den Erinnerungen längst vergangener Tage schwelgte.
Seit seinem letzten Besuch bei Doktor Wotruba, der ihn dazu
ermahnte etwas mehr Bewegung zu treiben und weniger fettes
zu essen, schrak er immer öfter aus Tagträumen über den Tod
auf, um dann festzustellen, dass er noch bei bester Gesundheit
war und der Schnitter ruhig noch ein paar Jahre warten konnte.

Pater Daniel ging wieder in die Sakristei zurück und holte das
älteste der Messbücher hervor, welches noch zur gänze in der
alten Sprache geschrieben war.

Sosehr er die modernen Messen auch liebte, so vermisste
er auch manche Dinge in Latein zu halten. Trotz seiner
aufgeschlossenen Haltung der neuen Messen gegenüber fand
er dennoch, dass etwa das Vater Unser im Lateinischen mehr
Kraft hatte als übersetzt.

Er nahm es mit und legte es auf den Altar. Er blies alle Kerzen
aus, bis auf die beiden, die rechts und links neben dem Buch
standen und schaltete die Scheinwerfer ab. Dann stellte er sich
vor das Buch und begann zu singen. Ein weiteres Manko an
der neuen Zeit war, das kein Priester mehr eine ganze Messe
in dem klerikalen Singsang vortrug, der das Gefühl eines
Feierns nur verstärkte.

Als er bei dem Schuldbekenntnis angekommen war bemerkte er
die Frau zum ersten Mal. Im schwachen Schein der beiden
Kerzen sah er sie nur schemenhaft in einer der letzten Reihen
sitzen. Zuerst tat er sie als optische Täuschung ab und fuhr
fort vor Gott zu bekennen, dass er gutes unterlassen und böses
getan habe. Als er das nächste mal aufsah, war die Frau aus
den letzten Reihen verschwunden. Er dankte seinem Verstand,
dass sie die Täuschungsversuche der Augen ignoriert hatten und
wollte schon wieder auf das Buch sehen, als er die Frau in
einem Seitenschiff wieder entdeckte.

Jetzt sah er sie besser. Er schätzte sie auf mitte 20. Sie hatte
schwarzes Haar und dunkle Augen. Ihre Figur versteckte sie unter
einem Mantel, der so schwarz war, dass er beinahe mit den
Schatten in der Kirche verschmolz. Sie sah ihn nicht an, sondern
schien durch ihn durch zu sehen. Ihr Blick fixierte das große
Kreuz auf dem Hochaltar hinter ihm. Er sah sie fragend an, doch
sie zeigte keine Reaktion.

So beschloss er, einfach mit der Messe fortzufahren. Er wähle einen
passenden Bibeltext als Evangelium und begann es der inzwischen
nicht mehr leeren Kirche vorzutragen. Als er geendet hatte sah er
zum Seitenschiff. Die junge Frau war nicht mehr dort. Stattdessen
saß sie nun in der dritten Reihe und starrte ihn an. Ihre dunklen Augen
faszinierten ihn und doch machten sie ihm Angst. sie sah ihn immer
noch mit diesen ausdruckslosem Gesicht.

Pater Daniel rang sich zu einem Lächeln durch, was ihm
überraschenderweise schwerer fiel als er dachte und sprach
die Frau an. Er fragte sie, was sie denn so spät noch hier mache,
doch die Frau antworte nicht. Ihre Augen
fixierten ihn nur noch etwas fester, doch ihre roten Lippen blieben
versiegelt.

Er zuckte mit den Achseln und begann für sich zu predigen.
Er sprach über Veränderungen und den Halt der Mutter Kirche.
Er sprach über die Allmacht Gottes und die göttliche Abstammung
Jesu Christi. Er wollte gerade beginnen die Gaben zu segnen als
er ein leises Klatschen hörte.
Diesmal schien es hinter ihm zu sein. Er drehte sich erschrocken
um und sah die junge Frau auf dem Speisgitter sitzen.
Ihre Beine waren überschlagen und Daniel erkannte,
dass sie ein schwarzes Kleid unter ihrem Mantel trug.

Sie klatschte langsam, doch mit einem solchen Nachdruck, dass jedes
Klatschen für sich mehr wert war, als ein ganzer tosender Applaus.
Er sah sie and bemerkte erst nach einigen Sekunden, dass sein Mund offen
stand.

Bravo, Priester, hörte er sie sagen. Ihre Stimme war ungewöhnlich...
gewöhnlich. Irgendwie hatte Pater Daniel mehr erwartet.
Er hatte eine Stimme wie die eines Seraphin... oder die des Teufels.
Sie war sogar sehr angenehm.
dennoch mochte ich es lieber, als ihr noch Latein gesprochen habt.

"Ich freue mich, dass euch die Messe gefällt. Dennoch würde ich
es vorziehen, wenn ihr bitte vom Speisgitter heruntersteigen würdet."
sagte Pater Daniel und es war bei weitem weniger ausdrucksvoll
als er gehofft hatte.Die Frau lachte. Jetzt war es da, dachte sich
der Priester. Das Lachen klang glockenhell, so wie man sich das
Lachen eines Engels vorstellen würde.
Sie lachte noch, als sie gewandt vom Speisgitter heruntersprang
und auf ihn zuging. Instinktiv wich er einen Schritt zurück und
stieß an den Altar.

Habt ihr Angst vor mir, Priester? fragte die Frau und ging
noch ein paar Schritte auf ihn zu.
Ja, wollte er schon fast sagen, es wäre mir lieber wenn du meine
Kirche sofort verlassen würdest du unheimliche Person.
Aus seinem Mund entwich jedoch nur ein verlegenes: "Nein."

Sie grinste wieder und ging an ihm vorbei wieder vor den Altar. Dann
setzte sie sich in die erste Reihe. Macht doch weiter.
Ich würde dann gerne
die heilige Eucharistie mit euch feiern,
sprach die Frau, die dem Priester immer suspekter wurde.
Er sah wieder auf sein Buch, doch er konnte sich nicht mehr
konzentrieren. Er spürte ihre Blicke wie ein glühendes Eisen
auf sich ruhen. Es fühlte sich an, als ob sie ihm mit ihren Blicken
die seelischen Barrieren abnehmen würde um tief in seine
Seele zu blicken. Er schaffte es nicht, die
Gaben zu segnen, er brachte kein Wort mehr hervor.

Was ist los Priester? sprach die junge Frau leise.
Habt ihr vergessen,
wie es geht?
Dabei lächelte sie weiterhin. Er erkannte Schadenfreude
in ihrem Blick und sah sie wütend an.

"Was treibt ihr für eine Teufelei mit mir, Weib?" entfuhr es ihm.
Seine Hand legte sich auf seinen Mund, als er bemerkte, was
er gerade gesagt hatte, doch die Frau lächelte nur weiter.

Keine Teufelei, ihr wisst doch, dass der Teufel im Haus
Gottes
keine Macht besitzt.

Pater Daniel sah sie an. Er schüttelte ungläubig den Kopf.
Oder zweifelt ihr etwa daran? Denkt ihr denn manchmal, dass
Gottes sogenannte Allmacht vielleicht nur eine Lüge ist? fuhr
sie fort. Sie stand auf und trat leichfüßig an den Altar.
Sie beugte sich vor und sah ihm in die Augen, dabei zeigte sie
immer noch ihr unbarmherziges Lächeln, das ihm bis aufs
Mark ging. Sie flüsterte jetzt beinahe.
Glaubt ihr wirklich, dass euer Gott bei euch ist, wenn ihr
leidet? Wenn ihr euch verzweifelt und einsam fühlt?
Er sah sie an und war unfähig zu sprechen, ihre Augen
nahmen in gänzlich gefangen.

Sie grinste. Nein? fragte sie. Wieder lächelt sie
unheilvoll und beugt sich weiter nach vorn. Er kann
ihren heißen Atem an seinem Ohr spüren als sie
ihm beinahe lustvoll zuflüstert: Bereut ihr es manchmal,
das Zölibat abgelegt zu haben? Besonders wenn ihr die
jungen Frauen in eurer Kirche seht? Die Ministrantinnen?
Die Ministranten?

Wenn ihr MICH anseht? sagte sie und ihr Grinsen
wurde noch breiter. Errege ich euch, Priester?

Er wich zurück und sah sie entsetzt an. Die Frau blieb
vorn über den Altar gebeugt stehen und lächelte ihn
lasziv an. Sie hatte die Knöpfe ihres Mantels gelöst
und offenbarte nun ein eindrucksvolles Dekolleté.
Das Kleid war weit genug ausgeschnitten um einen
wunderbaren Blick auf ihre Brüste zu gewähren, jedoch
nicht weit genug um nicht noch einiges der Fantasie zu
überlassen. Und Pater Daniel hatte eine besonders lebhafte
Fantasie.

Er schloss kurz, krampfhaft die Augen und begann zu beten.

"Pater noster qui in caelis es ... "

Er öffnete seine Augen wieder. Er war
weiter zurückgewichen und die Frau war ihm gefolgt.
Sie stand nun hinter dem Altar, ihm gegenüber und
ließ soeben ihren Mantel fallen. Was ist los Priester?
fragte sie mit einer erregenden Flüsterstimme, die
ihn an ein Stöhnen erinnerte. Gefalle ich euch nicht?

"... sanctificetur nomen tuum..."

betete er weiter als er weiter zurückwich. Die junge
Frau folgte ihm. Ihre Brust hebte und senkte sich, schneller
als sie mit einer Hand über ihren Bauch nach unten streichelte.

"... veniat regnum tuum.
fiat voluntas tua..."

Daniel wich noch weiter zurück, bis er den kalten Marmor
des Hochaltars an seinem Rücken spürte. Er drückte sich
dagegen und versuchte verzweifelt seine wachsende
Erregung zu unterdrücken, die die junge Frau bei
ihm auslöste.

"...sicut in caelo, et in terra.
panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie..."

Die Frau schwebte näher. Ihre Füße schienen nicht
einmal den Boden zu berühren. Ihre Bewegung waren
schon fast unmenschlich elegant. Mit einem kleinen Schwenk
ihrer Hände strich sie sich die Träger ihres Kleides
von den Schultern. Komm Priester, hauchte sie, du willst
es doch, ich sehe es in deinen Augen, in deiner Seele.

"...et dimitte nobis debita nostra.
sicut et nos dimisimus debitoribus nostris..."

Es schien nicht mehr Pater Daniels Stimme zu sein,
die das Vater unser betete. Sein Mund arbeitete
unabhängig von seinem Gehirn. Sein Gehirn war
abgeschaltet. Verzweifelt suchte er nach halt hinter
sich. Die Frau war jetzt knapp vor ihm. Ihr Kleid
war leicht nach unten gerutscht und offenbarte ihm
Freuden, die er nie erfahren hatte, nach denen er sich
aber immer gesehnt hatte. Das Gebet war beinahe zu
Ende. Und er war an der wichtigsten Stelle angelangt.

Er spürte ihre Hand auf seinem Oberschenkel. In seinem
Kopf explodierte etwas. Ihr Kopf bewegte sich langsam auf
seinen zu. Die roten Lippen waren leicht geöffnet und waren
unaufhaltsam zu seinen unterwegs. Er spürte wie die
Gier und die Lust von ihm Besitz ergriff. Seine Hand tastete
den Altar entlang und umschloss einen Kerzenhalter.

Leise murmelte er weiter.

"et ne inducas nos in temptationem..."

Er krallte sich regelrecht in dieser Zeile fest. Ihre Lippen
trafen auf seine. Eine Woge Hitze breitete sich über sein
Gesicht aus. Ihr folgte eine grausame Taubheit, eine regelrechte
Gefühlslosigkeit. Dann erst spürte er, dass ihre Hand bereits
zwischen seinen Beinen war.

Er zuckte zusammen.

"et ne inducas nos in temptationem..." flüsterte er, doch mit mehr
Nachdruck. Seine Stimme kehrte zurück.

Sie ließ von seinen Lippen ab und grinste ihn an. Ihre Augen
waren noch dunkler als zuvor. Erst hatte er die Farbe für ein
dunkles Braun gehalten, doch jetzt sah er, dass sie ganz und
gar schwarz waren.

"et ne inducas nos in temptationem..." sagte er. Sein Hand hob den
Kerzenhalter hoch. Er war schwerer als er erwartet hatte, doch die
Zeile gab ihm Kraft.

"et ne inducas nos in temptationem..."
seine Stimme wurde immer
lauter. Er hob den Kerzenhalter. Plötzlich sah die Frau, von der er
sich nun nicht einmal mehr sicher war, ob sie menschlich war ihn an
und ihr Lächeln erkaltete. Es war wie weggewischt.
Wage es nicht.

"et ne inducas nos in temptationem..."

Das WAGST du nicht, Priester! flüsterte sie mit einer Stimme, die
man aus einem Grab erwartete.

"et ne inducas nos in TEMPTATIONEM..."


Er hob den Kerzenhalter hoch über ihren Kopf.
Das wirst du bereuen, Priester. Du schwacher Eunuch, des
Schafsgottes! fauchte die Kreatur. Du und dein falscher
Gott, ihr werdet fallen. ER ist der Herrscher über
die Menschen.

"ET NE INDUCAS NOS IN TEMPTATIONEM!"
schrie Pater Daniel und ließ den Kerzenhalter auf sie hinabstürzen.
Er spürte den Widerstand, als die Spitze Kante des Bodens sich
in ihren Schädel grub. Sie schrie auf. Der Schrei war Ohrenbetäubend,
doch der Priester brauchte nichts mehr zu hören.

"ET NE INDUCAS NOS IN TEMPTATIONEM!"
schrie er immer wieder, als er weiter auf sie eindrosch. Wie in Rage
rammte er den Kerzenhalter in ihren weichen Leib. Blut spritze
in einer hohen Fontäne aus ihrem Brustkorb. Er hörte das
unvergessliche Knacken von Knochen, die brachen.
Wie ein Wahnsinniger lachend verarbeitete er den zuckenden
Körper der Frau in eine Lache aus Blut, Knochen und Eingeweiden.

Als er endlich von ihr abließ war seine Wut verfolgen, wie
die Erregung. Er sah sich um. Pater Daniel stand immer noch vor dem
Hochaltar. Die Leiche vor ihm war echt. Ebenso das Blut auf seinen
Händen und dem Kerzenhalter. Verzweifelt sah er sich um.
Niemand würde ihm glauben.
Besessene Frauen.
Ein Sukkubus.
Niemals.

Verzweifelt sah er sich um. Die Kirche war immer noch
leer, doch es würde nicht mehr lange dauern, bis sie kamen.
Seine Schreie und die des Dämonen hatten vermutlich die
gesamte Gemeinde zusammengeschrien.

"... sed libera nos a malo... "

flüsterte er.
Er hatte schon eine Todsünde begannen. Da kam es auf
die eine oder andere auch nicht mehr an.

"... amen..." hauchte er.

_

Die Presse, 1. November 2008

"Schreckliche Tragödie erschüttert die Pfarre Eberstalzell

Kurz vor Mitternacht ereignete sich in der Marienkirche in
der Oberösterreichischen Gemeinde Eberstalzell bei Wels eine
schreckliche Tragödie. Der Priester Pater Daniel Füreder (65)
war nach dem Abendgottesdienst noch länger in der Kirche geblieben
und hatte dort, vermutlich die junge Anastasia K (21) aus dem
Nachbarort Steinerkirchen dabei erwischt, wie sie als Halloweenstreich
in die Kirche eingedrungen war. Wie Freunde von K berichteten, hörten
sie kurz nachdem die junge Frau die Kirche betrat laute Schrei von
mehreren Personen. Als sie versuchten, ihr zu Hilfe zu kommen
schafften sie es nicht, die Kirchentür zu öffnen. Der gerufene Polizei, die
anschließend die Türen aufbrach, bat sich ein grauenhafter Anblick.
Die Leiche der Frau lag schrecklich verstümmelt vor dem Hochaltar.
Als dringend tatverdächtig gilt der immer noch flüchtige Pater Füreder.
Die Polizei bittet um Mithilfe der Bevölkerung."

Die Presse, 3. November 2008

"Killerpriester tot aufgefunden.

Der flüchtige Priester der Eberstalzeller Marienkirche Daniel Füreder (65),
der in der Nacht zum 1. November eine junge Frau aus Steinerkirchen
auf grauenvolle Art und Weise getötet haben soll (Die Presse berichtete)
wurde gestern Abend unter der Autobahnbrücke Eberstalzell tot aufgefunden.
Die Kriminalogen sprechen von einem Selbstmord. Augenzeugen berichten
jedoch, dass die Kehle des Priesters aufgeschlitzt worden war. Die Polizei
gibt dazu noch keine Angaben.
Die Trauerfeier für das Mordopfer vom 31. Oktober, findet am Freitag
dem 7. November in der Kirche Steinerkirchen statt."

____________

Eine kleine Halloweengeschichte. Und wieder ist
sie länger geworden, als geplant. Tja, was solls.
Fröhliches Halloween zusammen.

Mittwoch, 23. Juli 2008

Etwas tun ... (Schluss)

[eine Katastrophe bahnt sich an. Das Ende der Geschichte, ein Trümmerfeld]

...
Bernhard hatte Wachdienst. Rund um das Haus waren schreckliche
Geräusche zu hören. Langsam schlich er durch den ersten Stock.
Er vermied es, durchs Fenster zu sehen, denn das machte
ihm klar, dass es morgen wieder ungemütlich werden würde,
wenn sie das Haus verließen.

Thomas, der das Feuer bewachte nickte ihm anerkennend zu, als
er um die Ecke schlich, seinen Gang korrigierte und aufrecht und
mutig an ihm vorbeispazierte.

Als er wieder um eine Ecke gebogen war, krümmte er sich wieder
zusammen. Immer schlimmer wurden die Magenkrämpfe,
die von seinen Schuldgefühlen verursacht wurden.
Er überprüfte die Barrikade an der Treppe.

Obwohl das Erdgeschoss bisher noch frei war, hielt er das
Gewehr im Anschlag und verhielt sich äußerst vorsichtig.
Er bemerkte, dass er zitterte und versuchte es zu unterdrücken.
Hinter der Barrikade war es ruhig und sie schien gut zu halten.
Langsam ließ er das Gewehr sinken.

"Man könnte fast meinen du hast Angst." hörte er eine
Stimme aus einer Ecke.

Erschrocken warf er sich zurück und hätte dabei fast
seinen Sohn erschossen, wäre das Gewehr nicht gesichert
gewesen. Obwohl er bei näherem Nachdenken vermutlich
daneben geschossen hätte.

Benjamin blieb ruhig. "Nun. Gut dass du immer vergisst
das Ding zu entsichern, sonst wäre ich jetzt tot."

Bernhard versuchte sich zu sammeln und stammelte
etwas wie. "bist du verrückt" oder "was machst du hier?"

"Wie lange willst du dein Spiel noch weiterführen?"
fuhr er unbeirrt von Bernhards stammelversuchen fort.
"Es gibt doch keinen Militärhubschrauber, nicht wahr?"
sagte er, fast in einem Plauderton.

Er war überrascht, diese Töne von einer Stimme
außerhalb seines eigenen Kopfes zu hören, doch
es überraschte ihn wenig, dass sein Sohn als erstes
draufgekommen war. Benjamin war immer schon
ein kluger Junge gewesen. Ohne das Problem mit den
Drogen hätte er es sicher weit gebracht, obwohl das
jetzt alles keine Bedeutung mehr hatte.

Bernhard versuchte, sich etwas einfallen lassen. Doch in
seinem Kopf brodelten nur die Gefühle. Hasst, Verzweiflung
und vor allem Todesangst. Mit einer zitternden Bewegung
entsicherte er sein Gewehr, doch bevor er es auf seinen
Sohn richten kann, hat dieser schon sein Jagdgewehr gehoben
und hielt es nun an Bernhards Stirn.

"Ich würde mir an deiner Stelle jetzt ganz genau überlegen,
was du tust. Vater!" sagt Benjamin mit einer Kälte in seiner Stimme, die
ihm alles klar machte. Er würde es tun. Wenn es nötig war.

"Du..." begann Bernhard, "verstehst nicht. Es musste etwas
passieren. Sonst wären sie alle auf mich losgegangen. Ich..."

"Du hast uns wissentlich ins Gefahrengebiet begeben. Ohne
eine Ahnung. Ohne Hoffnung. Warum? Wolltest du dich
absetzen? Wolltest du uns alle loswerden? Sag schon!"
Die letzten Fragen brüllte Benjamin richtig heraus. In seinen
Augen stand der Wahnsinn des Verzweifelten, der keine
andere Wahl mehr hat und mit sich abgeschlossen hatte.

Bernhard sah seine Chance und trat mit voller Kraft gegen
das Schienbein seines Sohnes. Er spürte, wie unter seinen
schweren Stiefeln etwas brach. Benjamin schrie, doch sein
Schrei ging im Getöse des Schusses unter, der sich aus
seiner Waffe löste. Ein zweiter Knall durchzuckte den
Raum und ließen den Jungen gänzlich verstummen.

Die Augen zu einem ungläubigen Glotzen verzerrt fiel
er nach hinten. Aus dem Loch in seinem Kopf blutete es
leicht. Bernhard sprang auf. Er ließ es nicht darauf ankommen.
Als Thomas ins Zimmer lief, jagte er ihm eine Kugel ins
Gesicht und stolperte in sein Zimmer.
Der Rucksack lag dort bereit.

Er schnallte ihn sich mit einer geübten Bewegung um
reagierte gerade noch schnell genug um einem
hinterhältigen Hieb mit einer Axt auszuweichen.
Johanna kreischte schrill, als sie bemerkte, dass sie
ihn verfehlt hatte.
"Du Bastard! Du hast Thomas ermordet! Du hast uns
alle ins Verderben geführt! Du ver...."

Den letzten Satz unterbrach Bernhard geschickt, indem
er ihr seinen Gewehrkolben gegen den Hals rammte.

Röchelnd und Keuchend brach sie zusammen und
Bernhard rannte wieder in den Flur. Er riss einen
großen Tisch aus der Barrikade an der Treppe und
der Rest der Möbel polterten nach unten. Leise
glaubte er, das Klirren von Glas zu hören.

Dann vernahm er das typische Geräusch, eines
Gewehres das Entsichert und Gespannt wurde.

"Bleib sofort stehen, du Dreckskerl!" Daniels
Stimme klang hart wie Stahl. "Sag mir einen
guten Grund, warum ich dich nicht
auf der Stelle erschießen sollte."

Bernhard dankte Gott für Daniels Gerechtigkeitssinn,
der ihm gerade das Leben gerettet hatte.
Er drehte sich langsam um und hob dabei die Hände.
Das Gewehr fiel ihm aus der Hand.

"Ich... hab euch durch die Kanalisation gebracht."
begann Bernhard zitternd. Er hörte das Stöhnen
im Stock unter ihm. Auf der Treppe hinter ihm.

"Ich habe ... habe euch gezeigt wie man überlebt."
fuhr er fort und machte einen Schritt zur
Treppe.

"Einen Scheiß hast du. Alter Mann! Du hast
uns verraten. Benjamin hat mir alles erzählt."
schrie Daniel. "Und jetzt ist er tot! Dafür stirbst
du!"

Das glaubst aber auch nur du dachte sich
Bernhard und warf sich nach hinten, die
Treppe hinunter. Ein dumpfes mpfu erklang
als er die Gestalt auf den Stufen nach hinten
riss und auf sie fiel.

Er drehte sich um und sah mindestens 5 weitere
Schemen auf ihn zuwanken. Drei waren bereits
dabei, die Treppe erneut zu besetzen. Oben
hörte er Daniel schreien und schießen.
Er zerfetzte einem der Untoten den Kopf und warf
ihn so nach unten. Die beiden anderen Zombies
ließen sich nicht aufhalten und krochen einfach
über den Kadaver hinweg. Inzwischen quollen durch
die zerbrochenen Fenster und Türen weitere
tote Leiber ins innere.

Bernhard sprang auf und griff nach seinem Messer.
Er rammte es dem nächsten Zombie ins Gesicht
und trat ihn nach hinten. Gleichzeitig
sah er sich nach einem Fluchtweg um.

Ein schrecklicher Schmerz durchfuhr sein Bein.
Als er nach unten sah, erkannte er den Zombie, den
er mit nach unten genommen hatte. Es war eine
Frau, einst vermutlich sehr hübsch, doch jetzt war sie
voller Blut und hatte sich an seinem Bein festgebissen.
Frisches Blut strömte ihr übers Gesicht, als sie
ihm einen Fetzen Fleisch aus dem Unterschenkel riss.

Er wirbelte herum. Über ihm begann eine Frau zu
kreischen. Ihr Schrei wurde zu einem Gurgeln, als ihr
einer der Zombies die Kehle aufbiss.

Bernhard trat die Zombiefrau beiseite und wandte sich
zum Fenster. Dort warteten bereits nie nächsten
Untoten. Sie rissen ihn zu Boden.
Er schrie aus voller Kehle.
Trat und schlug um sich.
Wurde immer leiser.
Verstummte

Freitag, 20. Juni 2008

Etwas tun ... (Mittelteil)

[die Zeit wird knapp, Angst und Wut entstehen, es passiert etwas]

... Die folgenden Tage waren von einer regen
Geschäftigkeit erfüllt. Die Überlebenden hatten
einiges zu tun und dieses Zeit nutzte Bernhard um
sich ernsthaft über seine Zukunft Gedanken zu machen.

Er war sich darüber im Klaren, dass es mehr als
nur einen Aufstand geben würde, wenn heraus
käme, dass es nie einen Hubschrauber oder
Militärs gegeben hatte, so dumm war er nicht.

Also musste er sich etwas einfallen lassen, eine
Ausrede, oder eine Möglichkeit irgendwie aus dieser
dummen Sacher heraus zu kommen. Kurz
hatte er schon darüber nachgedacht, die anderen in
eine Art Falle zu locken, was natürlich völlig wahnsinnig
war. Nein, soweit war Bernhard noch nicht.

Aber er war schon soweit darüber nachzudenken, ob es
für ihn nicht das sinnvollste wäre, wenn er sich
einfach aus dem Staub zu machen. Es würde nicht auffallen,
wenn er in seinem Rucksack alles einpacken würde,
was er zum Überleben braucht. Das machten immerhin alle.
Er müsste die anderen nur zurücklassen.

Denn was blieb ihm anderes übrig?

Seine Überlebenschancen standen wesentlich
schlechter, wenn die anderen Überlebenden
herausbekamen, dass er sich belogen hatte
und so ihre ganzen Holzvorräte verbraucht hatte
nur um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen und
an der Spitze zu bleiben. Sie würden das nicht
verstehen.

Am nächsten Morgen ging es los. 14 Überlebende
in einer Welt, die eigentlich keine Zukunft zu haben
schien.

Aus dem Haus herauszukommen war schwieriger als
hineinzukommen. Da die Türen natürlich komplett
verbarikadiert waren, und auch wenn sie zu öffnen
gewesen wären, es keine gute Idee wäre einfach
so vors Haus zu gehen, mussten sie auf dem selben
Weg hinaus wie hinein.

Durch den Kanal. Obwohl sich Bernhard inzwischen
nicht mehr sicher war, ob der Kanal immer noch so
unverseucht sein würde, wie er es vor fast 3 Wochen
gewsen war. Aber auf dem Weg zum besten Ausgang,
lief alles nach Plan.

Schließlich hatten sie einen Kanaldeckel erreicht, der
Bernhards Meinung nach weit genug vom Haus entfernt war.
Langsam spähten sein Sohn und er hinaus.
Während Bernhard mit einem Gewehr nach draußen zielte
hob der gute Junge den Deckel hoch.

Keine Gefahr. Und so ging es nach draußen.
14 Überlebende. 7 Männer, 5 Frauen und 2 Kinder, beide
um die 5 Jahre alt. Bis auf die Mutter der beiden Kinder
waren alle irgendwie bewaffnet. Bernhard, sein Sohn
Benjamin und ein Mann namens Klaus hatten Jagdgewehre.
Thomas, ein Polizist eine Pistole und Jürgen immerhin
noch eine Schrotflinte. Die beiden anderen Männer
hatten jeweils eine Axt und ein Brecheisen in der Hand.

Die Frauen beschränkten sich ganz auf stumpfe oder
spitze Gegenstände, mit denen man sich gut verteidigen konnte.
Baseballschläger, Küchenmesser, eine Sichel und einen
selbstgebastelten Knüppel mit Nägeln.
Insgesamt, eine Truppe vor der jeder Angst haben müsste.

Sie wanderten den ganzen Tag in die Richtung, die ihnen
Bernhard anwies. Er selbst ging an der Spitze und überlegte
sich, wie er aus dieser Misere wieder rauskam. Langsam
begann er, die Männer und Frauen zu hassen, die
ihm ängstlich folgten und von ihm Schutz und Führung
verlangten. Er war selbst ängstlich und führungslos.
Gerade hier draußen.

Im Hause hatte alles noch ganz gut geklappt, aber hier
draußen, gab es keine schützenden Mauern. Sie konnten
jeden Moment angegriffen werden.

Noch weit vor Sonnenuntergang befahl er deshalb
sich in ein Haus zurückzuziehen. Während alle anderen
im unteren Stockwerk die Fenster und Türen bis auf
eine schlossen und verriegelten und zunagelten, holte
er noch mit Thomas Feuerholz. Dann wurde
es Zeit zu verschwinden. Im letzten Moment
schaffte er es noch zur Tür hinein.

Er verriegelte die Tür und ging nach oben.
Die Sonne ging unter, ... die Nacht kam...

(fortsetzung folgt...)

Dienstag, 17. Juni 2008

Etwas tun...

[Fehlentscheidungen führen zu verzweifelten Maßnahmen, eine Idee wird geboren]

... Es musste natürlich genau so kommen.
Der Tag kam und brachte keine erhoffte Hilfe.
Jetzt musste sich Bernhard etwas überlegen.
Die Nacht hindurch hatten sie das Feuer brennen
lassen, nur auf ein Gefühl seinerseits hin, und
jetzt war immer noch keine Hilfe in Sicht.

Dass das Holz langsam knapp wurde, war ihm
natürlich klar. Sie hatten gestern bereits begonnen
auch Möbel und Papier zu verbrennen. Das Papier
in der Nacht, die Fetzen am Tag. Am Tag konnte
man schwarzen Rauch wesentlich besser und
weiter sehen als weißen. In der Nacht
war es natürlich umgekehrt.

Leider war es eine unbestreitbare Tatsache, dass
ihnen das Heizholz langsam ausging. Die Gasheizung
funktionierte nun schon seit 2 Wochen nicht mehr und
der Kachelofen verbrauchte viel Holz, wenn er genug
Wärme zum Kochen, Waschen und zum Heizen
produzieren musste.

Inzwischen lebten vierzehn Menschen in dem Haus
und alle waren sie Bernhards Anleitung gefolgt.
Bisher.
Gestern früh kam es beinahe zur Eskalation, als sein
eigener Sohn in fragte, wie es nun weitergehen sollte,
nachdem sie sich ausgerechnet hatten, dass sie nur
noch für zwei Wochen Proviant hatten.

Da musste Bernhard einfach einen Ausfall nach vorne machen,
was hätte er sonst tun können?
Kurze Zeit später hatte er Wache gehabt und da kam ihm die
Erkenntnis, dass es einfach bald zur offenen Rebellion gegen ihn
kommen würde, sollte er nicht bald Ergebnisse liefern.
Also erzählte er ihnen von dem Helikopter.

Er konnte sich nicht mehr an die genauen Worte erinnern, aber
sie waren so fantastisch, dass er sich sicher war, dass ihm niemand
glauben würde, vor allem nicht, nachdem ihn sonst keiner gesehen hatte.
Aber zu einem gewissen Teil, war Bernhard immer noch der
Anführer dieser kleinen Überlebendentruppe und somit war
noch etwas Glaubhaftigkeit für das Funktionieren dieser
Lüge übrig.

Natürlich war es eine Notlüge gewesen. Ansonsten hätte man
ihn von diesem Anführerposten vertrieben und ein anderer hätte
die Führung übernommen. Dieser wäre warscheinlich so weit
gegangen, die Truppe aus dem Haus heraus zu bringen. Mitten in
die Gefahrenzone.

So etwas konnte er nicht zulassen, sie waren hier sicher und
sie würden es bleiben, aber die Leute brauchten natürlich etwas zu
tun. Den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch das Feuer zu heizen,
war natürlich eine gute Möglichkeit die Überlebenden zu beschäftigen,
jedoch war es auch eine sehr verschwenderische Möglichkeit und
die Holzvorräte schwanden und schwanden dahin und
es kam keine Verstärkung.

Keine Hubschrauber, keine Panzer, keine Flugzeuge
und keine Jeeps. Keine Soldaten, kein gar nichts.
Sie hatten auch keine Funksprüche mehr abgefangen seit
der letzte Jeep vor vier Tagen an ihnen vorbei in ein
Nachbarhaus gerast und dort mitsammt dem Haus abgebrannt
war. Jetzt befand sich Bernhard in einer schlechteren Position
als noch gestern.

Jetzt musste er erklären, warum keine Verstärkung kommen
würde. Warum niemand kommen würde um ihnen zu helfen und
sie hier aus dieser Hölle zu befreien.
Die Wahrheit wäre einfach gewesen.

Aber Bernhard war zu feige für die Wahrheit, er war kein
wahrer Held, nicht einmal ein ganzer Mann. Er war eine kleine
Ratte, die einfach das Glück hatte in letzter Zeit ein paar passende
Vorahnungen bezüglich des Wetters und Verseuchungsgrades
gehabt zu haben. Das machte aus ihm weder einen Führer noch
einen Mann.

Also doch eine weiter Lüge.
Vernunft war nun völlig egal, denn natürlich wäre es wesentlich klüger
gewesen, niemandem die Lügengeschichte von dem Militärhubschrauber
aufzutischen und so eine riesige Menge Holz zu verschwenden.
Aber Vernunft war noch nie eine von Bernhards Stärken gewesen.

Tägliche Ansprache.
Erklärungsnotstand.
Was tun?

Er sah sich etwas verloren um, dann nahm er sein Gewehr.
Eine weiter Lüge. Sie mussten sowieso von hier weg.
Und es war nun egal ob er oder ein andere sich dafür entschied.
Mit dem einen Unterschied: Er würde noch Anführer sein,
wenn er sich so entschied. Andernfalls nicht mehr.

"Meine Freunde." sagte er und beging damit schon die erste Lüge,
pha Freunde... denkt er sich.
"Der Helikopter, der gestern von der Wache gesehen wurde..."
-immer bescheiden bleiben. Nicht sagen dass DU ihn gesehen hast.
"...ist offenbar auf einem nahen Landeplatz im Norden niedergegangen."
-Es gibt tatsächlich einen Hubschrauberlandeplatz dort.
"Außerdem glauben wir..."
-Blödscheiß, du alleine glaubst.
"... dass dort auch die Militärtruppen gelandet sind. Leider ist
der Platz zu weit entfernt, als dass wir einfach nur auf
die Rettung warten können."
-Oi, schön gesagt.
"Deshalb müssen wir ihnen entgegengehen."
-Oh ja!

Vereinzeltes Raunen in der Menge ließen ihm keinen
Zweifel, man war schon hart an seiner Glaubhaftigkeitsgrenze
angelangt. Er durfte ihre Geduld nicht länger ausreizen.
Er erklärte ihnen den Plan. Sie hatten zwei Tage Zeit
sich auf den Aufbruch vorzubereiten. Während dieser zwei
Tage würden sie die Feuer weiter heizen um
damit den Soldaten (die nicht existierten) ein Zeichen zu
geben, dass noch jemand am Leben war.

Auf dem Weg nach Norden, würden sie jede Nacht ebenfalls
rießige Feuer entzünden, damit man sah, dass sich die Überlebenden
näherten. Schlafen würden sie in den ersten Stöcken von
Wohnhäusern, damit sie die Treppenaufgänge leichter bewachen konnten.
Sie würden es schon schaffen.

Er löste zwar keine Begeisterungsstürme aus, aber die
Überlebenden waren doch froh, dass sich zumindest ETWAS tat.
....
Fortsetzung folgt...

Freitag, 30. Mai 2008

Pompeji

Otto hat noch nie etwas illegales getan.
Er hat als Kind nie Kaugummi geklaut, ist noch nie
zu schnell gefahren, oder hat einen Vorrang übersehen.
Er hat noch nie in der Öffentlichkeit uriniert. Sein Hund ist
korrekt angemeldet, sein Auto nicht frisiert und er
zahlt pünklich seine Miete und seine Steuern.

Otto führt das perfekte Leben.

Aber jetzt ist Otto unglücklich.

Als er die Post heute morgen hereingebracht hat,
war ihm der Brief noch nicht aufgefallen. Er war auch nicht
anders als andere Briefe. Beim Durchblättern der Post hat
er ihn glatt überlesen. Dass sein Verstand da bereits mit dem
Verdrängungs- und Leugnungsprozess begonnen hat, kommt
ihm erst später in den Sinn und er verwirft den Gedanken
sofort wieder.

Selbst beim aussortieren in seine Brieffächer fällt er ihm
erst auf, als der Brief als letzter noch in seiner Hand liegt.
Normales Briefpapier, normaler Poststempel, normale
Briefmarke, Adresse richtig und deutlich geschrieben, kein Absender.

Er legt den Brief einfach auf den Küchentisch, weil er trotz mehrmaligem
überlegen und nachsehen, nichts entdecken kann, was
die Postschrift in eine Kategorie einordnen ließe.

Rechnungen, Werbungen, Briefe von Freunden/Private Post,
Geschäftsbriefe die nicht ans Büro geschickt wurden,
Briefe von Ämtern, der Stadt oder sonstiges/ Öffentliche Post.

Er bemerkt erst durch diesen Brief, dass er kein Brieffach für
"sonstige" Post hat. Wozu auch? Alle Post, alle Briefe die er
gewöhnlich erhält, lassen sich in diese 5 Kategorien einteilen und
einsortieren. Die Fächer haben ein geregeltes Prioritätssystem,
nach dem er die Briefe dann liest, beantwortet und archiviert.

Otto wird leicht nervös und in seinem Magen macht sich
ein flaues Gefühl breit, als er den Brief einfach so auf
dem Küchentisch legt. Er weiß nicht, was das nun bedeuten soll.
Soll er den Brief sofort legen, dem Küchentisch damit
Prioritätsstufe 0 geben, die sogar wichtiger wäre als
Stufe 1 (Öffentliche Post) und viel wichtiger als Stufe 2 (Rechnungen).

Oder sollte er ihn erst zuletzt lesen und den Tisch damit
sogar unter die Werbung (Stufe 5) und private Post (Stufe 4)
stellen.

Dazwischen geht überhaupt nicht, soviel ist ihm klar.
Das würde das ganze, mühevoll erdachte und durchgeplante
System einfach so zerschlagen und zunichte machen und schon
kurze Zeit später würde er sich fragen ob nicht so mancher
Brief in der Vergangenheit falsch eingeordnet worden wäre und
er würde beginnen sein Archiv zu zerlegen um es neu zusammen
zu setzen. Das würde eine wahre Knochenarbeit bedeuten,
es würde ihn ganze Tage oder Nächte kosten.

Es würde seinen Tagesablauf empfindlich stören, weil die Arbeit,
die eingeplanten 2 Stunden Pufferzeit pro Tag (Zeit, die als
eine Art Variable eingeplant war, sollte etwas unvorhergesehenes
wie ein Stau, eine Demonstration oder eine Katastrophe eintreten)
weit übersteigen würde.

Würde er jedoch nur 2 Stunden pro Tag an dem Archiv arbeiten
und keine Pufferzeit mehr bereithalten, könnte ihn auch nur
das kleinste Problem, wie ein Gespräch mit der Hausverwaltung
oder mit einem lästigen Nachbarn völlig aus dem Plan bringen und
er würde nie wieder hinein kommen.

Das Neuarchivieren ließe sich vielleicht noch als Hausarbeit
einordnen, jedoch wären dann andere Bereich vernachlässigt.
Er würde nur oberflächlich den Boden saugen,
in den Ecken würde sich Staub sammeln und die
dort lebenden Milben würden seine Allergie so schlimm machen,
dass er mehr als gewöhnlich für Taschentücher
ausgeben würde müssen und seine eingeplante Zeit für
Körperhygiene (wozu das Nase putzen zweifelsohne zählte)
wieder beschnitten würde. Er würde sich, statt dreimal am
Tag, nur zweimal am Tag die Zähne putzen können,
er würde Karies bekommen. Nicht auszudenken,
was das für Folgen haben würde. Zahnarzttermin, außerhalb
der geplanten 4mal jährlich, Kostenexplosion
bei den Krankenscheinen, ganz zu schweigen von
der körperlichen Behinderung.

Also nein, nicht die Hausarbeit.

Normale Arbeitszeit ist natürlich völlig ausgeschlossen, er konnte
doch nicht Hausarbeit mit ins Büro nehmen. Er würde womöglich
sogar verwarnt werden. Nein, nicht auszudenken.

Woher sollte also die Zeit für die Neuarchivierung kommen, denn
dass sein Archiv durch eine Reihung des Briefes innerhalb der
Prioritätsstufen neu geordnet werden musste, stand außer Frage.

Er überlegt und rechnet. Im Kopf, denn er hatte alles, seine
ganzen Pläne und Tabellen immer im Kopf gerechnet.
2 Stunden Pufferzeit, davon 10 minuten täglich für die Neuarchivierung.
Geschätzter Arbeitsaufwand für die gesamte Neuordnung,
etwa 10 Stunden.

10 Stunden sind 600 Minuten. 600 Minuten durch 10 Minuten täglich
sind 60 Tage. 60 Tage durch 7 sind 8,5714 Wochen.
Also fast 7 Wochen und 4 Tage.
In dieser Zeit durfte nichts passieren.
Keine unangemeldten Besuche, keine kaputten Glühbirnen,
keine Staus, keine in die länge gezogenen Gespräche.

Das war durchaus im Bereich des Möglichen.
Aber nur WENN er den Brief tatsächlich zwischen 2 Kategorien
einordnen sollte.

Otto denkt nocheinmal darüber nach. Sieht der Brief wichtig aus?
Nicht unwichtig, sonst hätte er irgendeine Werbung oder ähnliches
auf dem Kuvert. Andererseit hatten die Werbefritzen bereits
erkannt, das unauffällige Kuverts wesentlich wichtiger erscheinen als
auffällig bunte und deshalb öfter von den Leuten gelesen wurden.

Schwierige Sache, diesen unauffällig, auffälligen Brief einzuordnen.

Otto nimmt sich 10 Sekunden Zeit sich über Menschen zu
ärgern, die Briefe ohne Absender schreiben und nicht
einmal einen kleinen Hinweis auf den Zweck und den Sinn
des Briefes hinterlassen.

Dann widmet er sich wieder seinem Problem. Vor ihm der Küchentisch
samt Brief. Darüber die Brieffächer in denen die guten Briefe
perfekt eingeordnet, bereit in richtiger Reihenfolge gelesen zu
werden liegen, darunter der böse Brief.
Er versucht, ihn zu ignorieren und greift nach den
Prioritätsstufe 1 Briefen. Bevor er sie erreichen kann,
bleibt seine Hand über dem Stufe ? Brief stehen.

Er sieht ihn sich wieder an und durchsucht das Kuvert nochmal.
Kein Hinweis auf den Inhalt.

Otto dreht den Brief in der Hand hin und her. Immer wieder dreht er ihn
um. Vom Empfänger (eindeutig er, Otto Hahn) bis zum nicht vorhandenen
Absender. Kurz kommt ihm der Gedanke an Franz Fuchs und seine
Briefbomben. Vorsichtig wiegt er ihn in der Hand ab.
Zu leicht für Plastiksprengstoff.

Seine Gedanken gleiten an die Anthraxbriefe in Amerika.
Otto lebt nicht in Amerika, er ist ein braver, österreichischer Steuerzahler,
der kein gutes Ziel für einen solchen grausamen Terrorangriff bietet.
Trotzdem reibt er den Brief leicht, um eventuelle mehlähnliche Substanzen
zu ertasten. Nichts, nur ein Stück Papier im inneren.
Er muss über seine Dummheit kurz lachen.

Ihm fällt dabei auf, dass er schon lange nicht mehr gelacht hat
und nimmt sich vor, bei seiner nächsten monatlichen
Aktualisierung seines Tagesablaufes,
täglich 5 Minuten Lachen einzuplanen,
seines eben klang eingerostet und
ungewohnt. 5 Minuten, die er sicherlich von etwas anderem, wie
Zeitunglesen, oder Kaffeetrinken abziehen konnte.

Langsam wird das flaue Gefühl im Magen zu einem richtigen
Sodbrennen. Die Ungewissheit, die Verachtung für dieses
Stück Papier beginnen langsam, vereinzelte Partien des
vernünftigen Denkens in seinem Kopf auszuschalten.
Otto ermahnt sich innerlich, dass er keine Zeit für Wut habe.
Das war in seinem Plan nicht vorgesehen.
Dann schaut er auf die Uhr. Er hat schon fast eineinhalb Stunden
Pufferzeit für den Brief verbraucht. Bald würde es zu viel sein.
Er steht schon gehörig im Zeitdruck,
doch er weiß immer noch nicht, wohin er den Brief nun legen sollte.
Der Brief in seiner Hand wirkt nun schwerer
als vorhin. Otto tut es als Sinnestäuschung ab
und legt den Brief angewidert wieder auf den Küchentisch zurück.

Er hat noch 15 minuten. Es musste eine Entscheidung gefällt werden,
doch Otto ist immer noch im Zwiespalt.
Inzwischen ist er sich ganz sicher, dass er eine neue
Prioritätsstufe einführen muss. Eine Stufe 6, die eigentlich auch
eine Stufe 0 sein konnte. Immerhin waren sonstige
Briefe vielleicht ungemein wichtig. Was, wenn in diesem Brief
etwas so unglaublich wichtiges steht, dass
schon allein das Zögern von wenigen Sekunden
eine Katastrophe verursacht.

Was aber, wenn der Brief nichts ist. Nur ein Fetzen Papier,
der ihm wertvolle Zeit stiehlt. Der nur dazu da ist,
Menschen wie ihm, ehrlichen, guten Menschen,
die Zeit regelrecht aus der Tasche zu ziehen. Zeitdiebesbriefe.
Otto versucht sich vorzustellen, wie genau in diesem Moment,
hunderte, nein sogar tausende und abertausende von
Menschen in dem gleichen Dilemma stecken wie er.
Die nicht wissen, wo sie diesen schrecklichen, hassenswerten Brief
einsortieren sollten, denen allen die Zeit gestohlen wird.
Genau in diesem Moment.

Doch, der Brief könnte genausogut nichts damit zu tun haben.
Er hat doch noch nie von so etwas wie Zeitdiebesbriefen gehört.
Wer könnte so grausam sein, solche
Undinger zu verschicken. Noch dazu mit der normalen Post,
wo es viel mehr Probleme macht als anders.

Es ist vorbei.

Seine zwei Stunden Pufferzeit sind verbraucht.
Otto sammelt sich und legt den Brief wieder auf dem Küchentisch.
Dann versucht er, zu retten was zu retten ist. Er lässt
den Todesbrief liegen und liest die ersten Stufe 1 Briefe.
Dann Stufe 2, 3, 4 und 5.

Er folgt seinem Tagesablauf. Er macht sich Essen und verbrennt es,
als er wieder an den schrecklichen Schleimbrief denken muss.
Er isst das verbrannte Nudelgericht widerwillig, schlingt es fast hinein.
Er musste unbedingt Zeit gewinnen.

Die Zeitung überfliegt er, er lässt das Zähneputzen aus.
Eine Stunde gewonnen.

Mit erleichtertem Gewissen stellt er sich vor den Küchentisch.
Lesen? Nichtlesen?
Er nimmt sich die Zeit wütend zu werden. Die Wut frisst sich ihren
Weg durch seinen Bauch und seine Brust hinauf in seinen Hals und
schnürt ihm dort die Kehle zu. Dann fährt sie per Aufzug in sein Gehirn
und schaltet zuerst die Logikzentrale aus. Otto versucht zu retten
was zu retten ist.

Keine Chance.

Die Wut übernimmt die Kontrolle.
Er nimmt den verruchten Brief.
Er verkrampft seine Finger.
Er zerknittert den Brief.
Der Wutschrei aus seiner Kehle kommt im
fremd und falsch vor. Er beißt hinein und reißt einen
Fetzen Papier hinaus.
Dieser verfluchte Brief hat seinen Plan zerstört.
Seinen wundervollen, perfekten Ablauf.
Er schreit erneut. Eine erneute Woge von Hass
veranlasst ihn dazu den Brief durch das Zimmer zu
schleudern. Dann läuft er nach unten.
Neben seinem Auto steht ein Benzinkanister.
Er nimmt ihn und ein paar Streichhölzer die daneben,
aber natürlich im vorgeschriebenen Sicherheitsabstand liegen.

Otto will ihn zerstören. Will diesen verfluchten
Störenfried vom Antlitz der Welt tilgen. Das goldene
Benzin weicht das Papier auf. Gierig nimmt es
die vernichtende Flüssigkeit in sich auf.
Der Schwefelduft des Streichholzes erinnert ihn
an Kerzen, an Weihnachten. Der Benzingeruch erinnert
ihn an die Werkstatt seines Vaters, in der er glückliche
Stunden zugebracht hat. Glückliche Zeit vor dem Brief.
Zusammen vermischen sich die Gerüche zu einem
unheilvollem Ensemble von einer Vorahnung der Vernichtung.
Feuer auf einer Tankstelle. Ausbruch eines Vulkans.
Pompeji.

Otto geht auf Nummer sicher.
3 Streichhölzer entzünden sich gleichzeitig und werden
auf den Brief geworfen. Wie in Zeitlupe segeln sie der
Benzinlache entgegen. In freudiger Erregung, wie ein Kind,
dass seine GEschenke auspackt sieht er zu, wie die Streichhölzer in
die Benzinnebelglocke eintauchen und das perfekte Luft-Benzingemisch
sofort entzünden. Eine Stichflamme lodert auf.
Innerhalb weniger Sekunden verbrennt der Brief.

Wie ein verbrennendes Lebewesen krümmt er sich auf.
Das Kuvert löst sich wie eine stinkende Haut vom Papier,
das sofort schwarz ist. Die verblassende Schrift schimmert
kurz hervor, doch Otto will sie nicht lesen. Kein wahnsinniger
Brief zerstört ihm seine mühsam erkämpfte Regelmäßigkeit.
Kein grausamer Scherz vernichtet seine jahrelang aufgebaute
Normalität. In seinen Augen spiegelt sich der Schein des
Feuers wieder, das inzwischen die Vorhänge erreicht hat.
Glücklich lachend steht er neben dem Benzinkanister.

"Da hast du es." schreit er lachend und glücklich. "Das hast du davon!"
Er muss unbedingt mehr als zehn Minuten für tägliches Lachen
reservieren denkt er sich, als der Benzinkanister neben ihm explodiert.


Nachwort:
Dabei sollte es nur eine kleine Geschichte über die Abgründe der
Normalität werden. Tja. Ihr seht ja, was es geworden ist.
Ich hoffe es hat euch gefallen.
Patrick Brandstätter 2008

Donnerstag, 8. Mai 2008

Sonnenaufgang

Die Sonne geht auf.
Die Welt geht unter.

In den Augen des Mädchens spiegelt er sich wieder.
Die Ganze Welt in diesen Augen.
Der Junge sitzt neben ihr und traut sich nicht
ihre Hand zu nehmen, während am Horizont
die blutrote Sonne langsam höher steigt.
Tief in sich spürt er, dass er es will und seine willige
Hand zuckt kurz auf, bevor sein unwilliger Geist sie wie
einen Hund zurückpfeift.

Sie sitzen dicht nebeneinander um die ersten Strahlen
der Sonne aufzufangen, in sich aufzunehmen und zu speichern.
Die rote Scheibe klettert langsam höher und die Schatten ziehen
sich, wie lichtscheue Tiere zurück.

Das Mädchen atmet tief ein und lässt die Luft dann mit einem tiefen,
wehmütigen Seufzer wieder in die Freiheit. Er sieht sie an und bemerkt
den sorgenvollen Ausdruck in ihren Augen. Wieder kann er in
ihren Augen alles sehen, was sie sieht und er versteht ihre Sorge.
In solchen Momenten, an denen man völlig zur Ruhe kommt beginnt
man zu denken. Und man denkt nach, über all die Dinge die passiert
sind. Man beginnt sich der Dinge zu erinnern, die vergangen sind
und dann fängt man an darüber traurig zu sein.

Die Sonne beleuchtet die Stadt jetzt wie das Feuer, welches sie
zerstörte. Das orange-rote Leuchten dringt in die Ritzen, wirft Schatten,
verstärkt sie und entlässt sie in die Welt. Die zerrissene, zerfetzte Kontur
der Stadt liegt wie ein getöteter Drache im Morgenrot.

Nun ist es der Junge, der die Luft einsaugt und dann mit einem
lauten Seufzen entlässt. Das Mädchen hat den Kopf gedreht und sieht
ihn jetzt an. Er lässt sich von ihren Augen gefangen nehmen, verliert
sich in diesem Universum, in dem es um so viel einfacher zu sein
scheint als hier.

"Hast du manchmal Angst?" fragt sie ihn zögernd. Nachdem sie beinahe
drei Stunden schweigend nebeneinander gesessen hatten, klingt
ihre Stimme irgendwie unwirklich und falsch, doch sie gefällt ihm und
er lässt ihren Klang langsam in sich wirken und legt sich darauf wie auf
ein Kissen. Dann erst lässt er die Botschaft ihrer Worte zu sich durchdringen
und antwortet:

"Jeden Abend. Jede Nacht. Aber wenn die Sonne aufgeht verfliegt die Angst.
Man kann nicht immer Angst haben." sagt er. Dabei versucht er weise zu klingen
und nicht so aufgeregt und unerfahren, wie er sich gerade fühlt. Er sieht ihr
in die Augen und schafft es, nicht wieder in diese Fantasie einzutauchen, sondern
in der Realität zu bleiben, die ihm nun gar nicht mehr so schlimm erscheint.

"Ja. Stimmt. Das wäre schlimm." sagt sie leise. Die Worte sind wenig mehr als ein Flüstern,
doch er versteht sie sehr gut.

Dann steht er auf. Er streckt ihr die Hand hin und noch bevor ihm überhaupt
klar wird, was gerade geschieht nimmt sie seine Hand und zieht sich daran hoch.
"Gehen wir. Sonst brechen die anderen ohne uns auf." sagt sein Mund, doch
er selbst ist beschäftigt sich jeden kleinen Eindruck dieser Berührung zu merken.

Er klettert von dem rostendem Panzer hinab und hält dabei immer noch ihre Hand.
Vorsichtig schafft er es, nicht auf eines der halb-verrotteten Skelette zu treten, die
hinter dem Stahlmonster liegen. Dann hilft er dem Mädchen hinunterzuspringen und
die beiden gehen zurück zum Lager.

Im Licht der aufgehenden wandern sie die Straße entlang. Sie halten sich dabei
immer noch an den Händen und hüpfen zwischen den ausgebrannten Autowracks
zurück in das Lager neben der Autobahn, dass sie bald abbrechen würden.
Zwei Kinder, deren Welt in Ordnung ist. Zumindest für eine Zeit.

Freitag, 25. April 2008

Schöne, neue Welt

"Und doch sieht alles immer noch alles irgendwie gleich aus"
hört er den Jungen schwafeln.
Er versucht nicht zuzuhören, wie der
Kleine Hosenscheißer den Neulingen Geschichten
über die gute alte Zeit erzählt.
Solche Dinge machen ihn immer aggressiv und obwohl
Aggressivität im Kampf natürlich Sinn macht, ist
sie hier fehl am Platz.

"Früher gab es hier einen Park in
dem man Abends die Eichhörnchen füttern konnte.
Und wenn die Sonne unterging dann war da so
ein Licht, richtig romantisch."

Er hält es nicht mehr lange aus. Der Hosenscheißer reden
mit den Neulingen, als ob sie noch nie etwas von den Dingen
gehört hätten, von denen er erzählt. Dabei sind sie gerade
mal höchstens drei Jahre jünger als er selbst.

Und die Neulinge tun doch auch wirklich so, als ob
sie keine Ahnung von dem haben, was er da erzählt.
Mit großen Augen und offenen Mündern sitzen sie
um den Hosenscheißer und hängen an seinen Lippen.
Jedes einzelne Wort saugen sie in sich ein, wie
Verdurstende das Wasser.

Wahrscheinlich brauchen sie es, dass ihnen jemand
von früher erzählt, um sich zu erinnern. Um sich an
die schönen Tage zu erinnern, an denen es noch
Essen und Wasser im Überfluss gab.
An denen man nicht mit Angst ins Bett ging und
man nicht mit Angst aufwachte.

"Essen, Essen so viel wie ihr essen könnt. All you can eat.
Sagt ja schon der Name. Da vorne war ein Chinese, der hat die besten..."

Er schaut auf seinen Nebenmann, einen Hühnen
namens Fridolin. Unpassender Name für so einen großen Menschen.
Er schüttelt nur den Kopf und sieht dann wieder auf den Boden.
Das Gewehr in seinen Pranken wirkt wie ein kleines, unnützes
Spielzeug.

"Aber ich sage euch, es wird wieder so werden..."

Jetzt kommt das Mut machen, denkt er sich.

"... vernichtet haben, werden wir die Stadt wieder aufbauen. Ich ..."

... werde diesen Tag nicht mehr erleben. Ihr vielleicht auch nicht.
Aber eure Kinder.
Er kennt die Ansprache schon Auswendig.
Jede Nacht erzählt der Hosenscheißer den selben Mist.
Und jede Nacht sitzen die Neulinge da und glotzen ihn
an, wie einen Propheten. Dieses arogante Dreckschwein.

Schließlich steht er auf und schüttelt sich durch.
Der Erzähler und sein Publikum nehmen nicht einmal
davon Notiz.

"... deswegen müsst ihr so viel Erfahrung sammeln wie möglich. Der Kampf ist erst dann gewonnen wenn..."

Er bückt sich nochmal um sein Gewehr aufzuheben.
Ein geübter Blick, ein kurzer Ruck am Repetierbolzen
und er weiß, dass sie geladen ist.

Mit einem Schuss könnte er diese Labertasche zum Schweigen
bringen, denkt er. Er weiß, dass solche Gedanken gefährlich sind,
darum zündet er sich eine Zigarette an und geht etwas außerhalb des
Lagers. Dort steht der erste Wachposten.
Ein Farbiger namens Flynn. Er stellt sich zu ihm und nickt ihm
kurz zur Begrüßung zu. Flynn nickt kurz zurück und sieht dann
wieder durch den Restlichtverstärker in die Nacht hinaus.

"Schön ruhig heute?" hört er sich sagen.

"Bis jetzt schon. Aber gestern, gab es Bewegungen im Norden.
Wir befürchten, dass sie uns bald gefunden haben."

Dann wieder ab in den Untergrund, schießt es
ihm durch den Kopf.

Flynn schießt inzwischen etwas anders durch den Kopf.
Die Kugel durchschlägt seinen Schädel, als wäre er aus
Papier. Er wird zurückgeworfen und fällt auf einen Eisenträger,
der aus dem Boden ragt. Der Träger
druchschlägt seinen Brustkorb sofort, mit solcher Wucht
wird Flynn zurückgeworfen. Sein Brustkorb wird
nach außen gedrückt und seine Lunge bleibt auf
dem Eisenträger kleben.
Als ob das jetzt noch was machen würde,
denkt er sich.

So schnell wie jetzt, ist er überhaupt noch nie
in Deckung geganen, denkt er sich.
Er spürt regelrecht, wie die Projektile die Luft dort
zerreißen, wo er noch vor einem Bruchteil einer Sekunde gestanden
war.

Die Schüse waren weder zu hören, noch zu sehen.
Das Artilleriefeuer jedoch, war gut zu sehen. Die gleißend
hellen Punkte leuchteten wie Sterne in der Nacht. Trotzdem
sieht er sie erst, als sie bereits die Spitze ihrer balistischen
Bahn erreicht haben und mit einer gewaltigen Geschwindigkeit
näher kommen.

Er kann nicht rufen, die Kehle ist ihm wie zugeschnürt.
Der Hosenscheißer hat noch nicht aufgehört zu reden.
Er hört nicht zu reden auf, als das Pfeifen der Geschosse
immer lauter wird. Er hört nicht einmal auf, als
die glühenden Sprengsätze bereits so nahe sind, dass
die Ruinen aussehen, als hätten sie Feuer gefangen.
Vermutlich hat er noch weiter von der guten alten Zeit
erzählt als die Geschosse bereits explodiert sind und
ihn und seine Zuhörer in tausend kleine Fleischfetzen
zerreißen.

Schöne, neue Welt, denkt er zu sich, als er selbst
von einem Geschoss in tausend kleine Fleischfetzen
zerrissen wird.

[Schöne, neue Welt. Patrick Brandstätter 2008]
[Aus der Reihe: New Enemies]

Sonntag, 24. Februar 2008

Wenn die Zeit gekommen ist.

Vorwort
Die folgende Geschichte ist traurig.
Sie hat kein fröhliches Ende.
Seid gefasst.

---

Als die Sonne sich senkte und die Welt in ein trauriges Zwielicht
tauchte, verließ das Leben die Frau mit den letzten Strahlen
der Sonne.
Der Mann hatte in der Stube Kerzen entzündet, deren
neckisches Flackern tiefe Schatten in ihr bleiches
Gesicht warfen.
Ein Ausdruck niegeahnter Traurigkeit lag auf ihrem Gesicht.
Trauer und Resignation sprachen ihre Augen, deren
Lachen einst das Herz des Mannes erwärmt und schließlich zum
Schmelzen gebracht hatte.

Sie hatte gekämpft
-
und verloren.

Ihr einst so schöänes Gesicht lag nun da, wie ein
Apfel in der Sonne. Verwelkt, ausgedorrt und einsam,
wenn sich auch nicht allein war.
Der Mann war die ganze Zeit bei ihr, obleich es ihm
sein Herz zerriss, sie so zu sehen. Sie, die nie ein Sturm
hatte umwerfen können. Die eine Nacht durchgetanzt
hatte und, nachdem die Kapelle vor Müdigkeit zum letzten
Tanze gerufen hatte, immer noch voller Übermut zu der
Musik ihres Herzschlages getanzt hatte.
Unersättlich hatten sie sich geliebt.
Oft, so schien es, nur von ihrer Liebe zehrend hatten
sie die ersten Jahre verbracht.

Dann als das Alter Einzug hielt, die Ruhe und Weisheit kam,
wie das Grau in ihren Haaren, dass sie nie versteckt hatte,
war sie noch voller Lebenslust und im inneren
immer noch das junge Mädchen, in das sich der Mann verliebt hatte.

Doch nach dem letzten Winter begann dieses Feuer des
Lebens abzuklingen und wich einer unbarmherzigen Kälte
und dem Fieber.
Er war währenddessen bei ihr gewesen. Er war
immer bei ihr.
Nie ließ er sie länger allein, als für die
wichtigsten Dinge notwendig.

Und so musste er zusehen, wie sie verfiel.
Wie der Stolz und die Schönheit sich langsam aus
ihrem Gesicht schlichen und der Kampf begann.

Sie hatte wahrlich gekämpft.

Doch es war ein aussichtsloser Krieg gewesen.
Von Anfang an.
Und sie hatte kapituliert.

Ich bin müde, hatte sie ihm gesagt, so unendlich müde.
Ich will nur noch meine Augen schließen und schlafen.

Er hatte indess nicht geschlafen.
War bei ihr geblieben.

Der Pastor war gekommen und der Mann hatte ihn verjagt.
Er war richtig wütend, ausser sich hatte er diesen aufdringlichen,
jungen Geistlichen aus seinem Haus geschäucht, der ihm weismachen
wollte, dass es zu Ende war.
Der Mann wusste dass es nicht zu Ende war.
Es konnte nicht zu Ende sein.
Es durfte nicht zu Ende sein.

Doch die Sonne verschwand und langsam nun begann der Mann
in seinem unerschütterlichen Glauben an das Leben
zu schwanken. Er saß am Bett seiner Frau, dass
sie wohl nicht mehr verlassen würde und hielt ihre Hand,
die so heiß war wie die Sonne im August.


Sie sprach nicht mehr.
Ihr Mund bewegte sich zwar noch, doch
über ihre einst so wunderschön weichen Lippen kam kein Wort.
Auch der Mann sprach nicht, als hätte er Angst
mit dem Odem seiner Worte, die feine Kerze ihres
Lebens auszuhauchen.

Die Stille umfing ihn und die ersten
Kerzuen, die nun schon ganz heruntergebrannt waren,
gingen flackernd aus.
Gern hätte er neue geholt, gern hätte er eine
Hundertschaft Kerzen angezündet um die Nacht
nicht in die Stube zu lassen, doch er wollte sie nicht
alleine lassen. Er hatte Angst davor, sie allein zu lassen.

Vom Flur her kamen Schritte den Gang entlang.
Der Mann nahm sie nicht wahr. Er hatte
seinen Kopf an ihre Schulter gelegt und kämpfte
seinen eigenen Kampf.
Gegen die Tränen.

Erst das Klopfen an der Tür ließ ihn aufhorchen.
In der Stille der Nacht schien es ihm so laut,
wie die Trommeln und Pauken einer Kriegskapelle.

Das Klopfen wiederholte sich, doch der Mann war
unfähig diesen späten Gast hereinzubitten.
Er kämpfte immer noch.

Da begannen die Lippen der Frau sich zu bewegen.
Sie formten die Wörter und hätte der Mann es nicht
selbst gehört, so hätte er es für unmöglich gehalten,
fast wie früher sprach sie, laut und deutlich.

"Komm rein, die Tür ist offen. Und wär sie s nicht,
so hielte es dich nicht auf."

Langsam öffnete sich die Tür, wie im Traum.
Ein Geruch von Moder und verrotetem Laub erfüllte
den Raum. Die Gestalt die eintrat war in schwarz gekleidet,
gleich dem ersten Trauergast einer Bestattung.
Ihr Gesicht war nicht das eines Mannes, doch auch nicht
das einer Frau.
In den Augen des Gastes verlohr sich der Betrachter,
aus ihnen schien die Ewigkeit. Es ist unmöglich
ihre Farbe zu erkennen, in allen dunklen Spektren
leuchteten sie. Seine Haut war weiß wie Alabaster und
glatt wie ein Fels in der Brandung, es war die eines Toten.

In der Hand hielt er ein Buch, alt und verschlissen von
den weiten Reisen und den unzähligen Orten an denen es
schon war.

Der Mann gebahr den Gast und verlor seinen Kampf.
Tränen flossen ihm übers Gesicht und zwangen ihn seine
Augen zu schließen. Er konnte die Gestalt nicht ansehen,
hielt nur weieter die Hände der Frau fest.

"Du weißt warum ich hier bin, Frau." sprach die
Gestalt und ihre Stimme war die des Todes.

Die Angesprochene öffnete die Augen und jede Mattheit
war aus ihnen verschwunden. Sie antwortete mit einem
Nicken.
"Ja, ich weiß es und mein Mann weiß es ebenso, wenn
er es auch nicht wahr haben will. Du bist spät."

Das Gesicht des Gastes blieb unbewegt als er sprach:
"Wir gehen, wenn die Zeit gekommen ist. Dein Mann hat sich
noch nicht verabschiedet."

So sah die Frau ihren Geliebten an, der sie so lange
treu begleitet hatte. Ihre Augen waren nicht mehr von dem
Nebel der Krankheit getrübt, sie waren so wie früher.
Klar und hell wie ein Gebirgssee.

"Ich liebe dich," sprach sie, traurig und sanft.
"Doch du musst mich gehen lassen."

Der Mann konnte nicht sprechen. Er wollte es nicht.
Die Tränen verschlossen ihm den Mund und drückten
ihm die Kehle zu.
Er versuchte etwas zu sagen, doch die Frau legte
einen Finger auf seinen Mund.

"Die Zeit der Worte ist vorüber," sagte sie.

Und sp küsste er sie.
Es war der ehrlichste Kuss.
Es war der letzte Kuss.
Der, auf den keine Küsse mehr folgen.
Der, den man nur vom Totenbett bekommt.
Den man nicht stehlen kann, der einem geschenkt werden muss.

Und mit diesem Kuss ließ er sie los und sie ging.

Der Tod öffnete ihr die Tür und wies sie nach draußen.
Der Mann blieb zurück.
Alleine.

---
Coda:
Das ist eigentlich schon das Ende der Geschichte,
doch gibt es noch so etwas, wie ein
alternatives Ende, wer es lesen will, soll weiterlesen,
obgleich ich der Meinung bin, dass das obrige reicht.
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Doch bevor der Tod die Tür schloss, sprang
der Mann auf. Er lief zur Tür und flehte den Tod
an, ihn mitzunehmen.
Ihn nicht alleine zurückzulassen.
Er wäre bereit alles zu tun.
Er wäre bereit alles zu tun um mit seiner Frau gehen
zu können, koste es was es wolle.

Der Tod sah ihn an und seine Augen trafen die des Mannes.
Diese Augen, die die Ewigkeit gesehen hatten.
Augen, die kein Mensch, der sie sieht je vergesen kann.

"Wir gehen wenn die Zeit gekommen ist.
Wir gehen wenn es Zeit ist.
Du bist noch nicht soweit.
Für dich ist sie noch nicht gekommen."

Mit diesen Worten drehte der Tod sich
um und ging.


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Nachwort:

Die Geschichte fiel mir auf dem Weg nach Hause ein.
Als ich in der Straßenbahn stand, in den Tunnel
zum Bahnhof fuhr kamen mir die Worte:
"Wir gehen wenn die Zeit gekommen ist
und deine ist noch nicht gekommen."
ein.
Schließlich schrieb ich die Geschichte nieder.
Hier ist sie. Danke.

Donnerstag, 31. Januar 2008

Mitternacht Ende

Der Totengräber schaufelte die lockere Erde aus dem Grab.

Er musst schon fast 5 Fuß tief sein, bald hatte er die mystischen 6 erreicht.

6 Fuß für die Toten. Das Feuer des Öls hatten sein Haar entfacht,

er spürte den Schmerz kaum. Auch auf seinem Mantel brannten

bereits einige Flecken. Er bemerkte es nicht einmal.

Er war wütend auf sich, wütend auf seinen Sohn und

dieses schreckliche gelbe Ungetüm. Er war verzweifelt. Er grub.

Klonk.

Holz.

Er war auf Holz gestoßen. Ein Sarg.

Das Geräusch war jetzt unerträglich laut.

Von überall schien es zu kommen.

Tausend verzweifelter Finger die sich ihre Näge

l am kalten Holz der Särge blutig kratzten.

Er hörte die schrecklichen Schreie der Toten.

Voller Hass und Neid auf die Lebenden.

Das Kreischen fuhr ihm ins Mark und er riss

panisch die Hände hoch um seine Ohren abzuschirmen.

Dann schreit er auf, vor Schmerz.

Und mit einem Mal war es ruhig.

Das Feuer war ausgegangen.

Plötzlich spürte er die Kälte.

Er roch das verbrannte Fleisch auf seinem Kopf.

Der Mond hatte sich durch die Wolken gekämpft

und erhellte nun das Grab in dem er stand.

Auf dem Sarg lagen noch vereinzelt überreste eines Blumenkranzes,

die Schrift darauf war verblasst und unleserlich.

Er hörte die Kirchturmglocke läuten und zählte mit.

Eins, ... zwei, ... drei, ...

Ein Schatten fällt auf das Grab.

vier , ... fünf , ... sechs , ...

Erschrocken wirft sich der Totengräber herum.

sieben , ... acht , ... neune , ...

Eine Gestalt steht über ihm, am Rande des Grabes

zehn , ... elf , ... zwölf , ...

Michael Cunningham greift sich an die Brust und bricht tot zusammen.

Hillington Gazette 14. Oktober 2001

Totengräber schaufelt eigenes Grab.

Gestern Nacht gegen 0.00 sahen zwei Jugendliche aus dem Ort (16,17) einen hellen Schein über dem Friedhof, den die beiden für ein Feuer hielten. Sie arlamierten daraufhin die Polizei und die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte fanden daraufhin den leblosen Körper des Totengräbers Michael C. (76) in dem Grab seiner vor einem Monat verstorbenen Frau Elizabeth C. (74) "Wir wissen nicht warum C. das Grab seiner Frau aufgegraben hat, aber laut Gerichtsmedizin ist er wohl voraussichtlich an einem Herzinfarkt gestorben. Aber, irgendwas an seinem Gesicht war komisch, wie eine Fratze zu einem Schrei verzerrt.", so der Einsatzleiter der Feuerwehr Patrick O´Connor. Die Trauerfeier für den Verstorbenen findet am kommenden Freitag um 15.00 in der St.Michael´s Church Hillington statt.



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Nachwort: Das war´s meine Freunde.

Es tut mir leid dass ihr auf das Ende so lange warten musstet, aber ich hatte leider anderes zu tun. Danke für´s mitlesen.